Jean-François Visseaux
Die spezifischen Aspekte der weiblichen Kriminalität sind in Frankreich bislang noch wenig erforscht, obwohl sie eine wichtige Grundlage für das Verständnis krimineller Mechanismen und der Faktoren bilden, die zur Tat führen. Das Ziel dieser Arbeit war es, die Merkmale der weiblichen Kriminalität durch einen transdisziplinären Ansatz zu präzisieren: historisch, statistisch, soziologisch und psychiatrisch. Diese Analyse ermöglicht es insbesondere, eine dreifache Besonderheit der weiblichen Kriminalität zu definieren: eine insgesamt geringe und über die Zeit stabile Repräsentation, eine spezifische Ausrichtung auf Personen statt auf Güter und eine steigende Tendenz. Die Frage nach den Ursachen dieser „Unterrepräsentation' von Frauen in der Kriminalität wird ebenfalls auf soziologischer Ebene diskutiert. Schließlich bestätigt der psychiatrische Ansatz, gestützt auf mehrere klinische Interviews, ein erhöhtes Risiko für gewalttätige Handlungen, das bei psychiatrischer Komorbidität höher ist als bei Männern. Hoffen wir, dass diese Konvergenz objektiver Elemente zugunsten einer spezifischen weiblichen Kriminalität die Relevanz dieser Fragestellung bestätigt und zu weiteren Arbeiten anregt...